Davos Swissalpine Marathon, 26. Juli 2008

 

 

 

 

 

 

Ok; diesmal war Matthias Schuld daran, dass wir nach dem Hamburg Marathon und vor dem Luzern Marathon noch ein "Zwischenmarathönli" einlegten. Letztes Jahr war ich schuld daran, dass wir zwischen Wiener und Luzerner Marathon noch schnell den Jungfrau Marathon absolvierten.

Und da unsere Resultate am Luzern Marathon letztes Jahr nach einem Bergmarathon gar nicht so schlecht waren, ja sogar überragend gut waren, entschied sich zuerst Matthias, und nachher ich selber auch mitzumachen am  Davos K42 Swissalpine Marathon. Die Distanz war genau gleich wie alle anderen Marathons 42 Km (wie überraschend!), jedoch hatten wir hier 1890 Höhenmeter hinauf, aber auch 1710 Höhenmeter hinunter zu überwinden. Und gerade diese 1710 Meter hinunter haben es in sich, wovon ich später noch berichten werde.

 

 

Kommen wir zuerst einmal zu unseren Vorbereitungen für diesen Marathon. Matthias steckte mitten im Umbau von einer seiner Filialen und hatte ebenso wie ich gerade noch vor diesem Marathon 3 Wochen Ferien gebucht. Ich selber hatte im Geschäft neben den vielen Patienten auch dies und jenes um den Ohren. Also ideale Vorbereitungsbedingungen für uns beide. Kommt noch dazu, dass ich zwei Wochen vor der Ferien (also 5 Wochen vor dem Marathon) eine Fussverletzung an der Fusssohle erwischte, so dass ich das Training etwas reduzierten musste. Was nicht wegnimmt, dass ich in der 4. Woche vor dem Marathon mit dieser Fussverletzung noch ein Wochenpensum von 110 km absolvierte. Dies bedeutete, dass ich in den Ferien in Thailand mein Tapering doch noch normal absolvieren konnte.

Kannst du denken! In Thailand auf Phuket hatten wir ein Hotel im Süden der Insel, am Kata Beach. Und wie Wunder; hinter diesem Dörfli stieg eine Strasse 2 km hinauf zum nächsten Dorf am anderen Ende des Hügels. Man würde meinen, dass dies ideal wäre um das Bergtraining zu absolvieren. War es auch! Jedoch machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. 30°C und eine Luftfeuchtigkeit von ungefähr 90% wenn es nicht regnete und 100% wenn es regnete, liessen mir keinen Hauch einer Chance diesen Weg in einem normalen Trainingstempo hinauf zu rennen. Und meine Trinkbidons waren auch schon nach 2 km leer. Und meine Kleider so nass als ob ich gerade von einem Tauchgang zurückkam, auch als es nicht regnete. Aber dass war noch nicht das Schlimmste. Beim Hinunterlaufen begann meine Fusssohle wieder zu reklamieren. Und da ich wusste, dass an besagten Davos Marathon auch das Hinunterlaufen ein wichtiger Bestandteil war, bekam ich ein etwas mulmiges Gefühl. Und die Arbeiter, die zu 20-igt auf der Ladefläche eines Toyota-Pickup zusammengepfercht mich anschauten beim Vorbeifahren, hatten nur ein "gemeines" Grinsen für mich übrig. So interpretierte ich das wenigstens in meinem nicht so florisanten Gemütszustand.

Ich verdonnerte mich deshalb zu einer Laufpause und setzte mich dafür im Fitnesscenter des Hotels aufs Velo und steppte ein bisschen herum auf dem Crosswalker. Drei Tage später, es war sonnig und es regnete nicht, wagte ich mich wieder auf die Bergstrecke und schaffte es tatsächlich ohne Schmerzen ins nächste Dorf zu kommen. Der Weg zurück ging zuerst wieder Berg hinauf und am Ende logischerweise wieder hinunter zur Kata Beach. Kaum hatte ich angefangen mit dem Hinunterlaufen, stach es gewaltig unten in der Fusssohle. Ein normales Rennen war überhaupt nicht mehr möglich und so kam ich schmerzverzerrt ins Hotel an, wo mich Sonja gleich voll pumpte mit Arnica, Ferrum und Ledum. Ich pumpte mich am Abend auch noch frustriert  voll, jedoch mit Bier. Wenn ich dann doch nicht an diesem Marathon laufen kann, möchte ich wenigstens schöne Ferien haben und zusammen mit unseren mitgereisten Kollegen die Abende tüchtig geniessen. Die restierenden Tage verbrachte ich am Strand, trank mit den Kollegen meine obligatorischen Singas und verehrte ab und zu das Fitnesscenter des Hotels mit einem Besuch. Nebst dem Bier stabilisierte ich nämlich auch noch meinen Rumpf mit Pilatesübungen. Mein Fuss verdonnerte ich zu einer unbedingten Pause. Nur zum Strand, Restaurant oder Bar laufen war ihm gestattet.

Und so kam es, dass ich am Montagnachmittag vor dem Marathon (Samstag) beim Arzt war um seine Meinung zu hören und ein Attest zu bekommen das bestätigte, dass ich mit so einem Fuss nicht laufen konnte. Dummerweise war ich am Montagmorgen doch noch probeweise laufen gegangen um dem Arzt zu bewiesen, dass ich wirklich Schmerzen hatte. Du kennst sicher auch das Phänomen; kaum sitzt du beim Zahnarzt im Behandlungsstuhl, sind die Zahnschmerzen weg. Geradeauslaufen war anscheinend nicht provozierend für meine Problematik und so entschieden sich der Arzt und ich, dass ich Mal anfangen würde mit Laufen in Davos und dann mal zu schauen wie weit ich kommen würde.

So standen Matthias und ich am 26. Juli 2008 um 10.30 Uhr in Bergün an der Strecke, auf der sich die schon um 8.00 Uhr in Davos gestarteten K78-er hinaufkrackselten. Diese hatten schon zu diesem Zeitpunkt 39 km in den Knochen. Es standen von da an noch 39 km für diese Läufer an. Das Wetter war mit 20°C und ohne Regen ideal. Für uns begann das Rennen um 11.30 Uhr. In ruhigem und gemütlichem Tempo, man kam ja sowieso nicht schneller voran auf der engen Anfangsstrecke, trottelte ich durch Bergün hinauf. Erst ausser Bergün wurde das Steiggefälle grösser und dies trieb das Läuferfeld sehr auseinander, was mir Gelegenheit gab mehr Tempo zu entwickeln. Matthias hatte ich schon schnell aus dem Auge verloren. Wie immer schlug er schon von Anfang an ein horrendes Tempo an. Ich dafür lief pulsgesteuert den Berg hinauf und erreichte nach einen wunderschönen Lauf durch das  stetig ansteigende Val Tuors die 2632 Meter hochgelegene Keschhütte (Km 16). Wie es auch im Programm stand, schaute mir der Arzt oben an der Keschhüte tief in den Augen. Nach diesem kurzen, romantischen Intermezzo fragte er „ Gerry, geht es dir gut?“ „JO!!“, sagte ich und lief zum Verpflegungsstand, wo ich eine Bouilion, einen  Long Energydrink und ein Glas Wasser vermischt mit einer Banane zu mich nam. An dieser Stelle ist zu sagen, dass die Verpflegung hervorragend organisiert war.  Wer verhungerte oder verdurstete auf der Strecke, war selber schuld, weil es genügend Stellen gab, an denen man sich Pflegen konnte. Esswaren oder Trinkwaren mitnehmen ist überflüssig. Einzig wer auf Gels angewiesen ist, muss diese selber mitnehmen. Auch die Verpflegungsposten waren reichlich vorhanden. Zum Glück brauchte ich diese nicht. Mein Fuss hielt durch!

In horrendem Tempo ging es dann über den Plata Naira hinunter Richtung Alp Funtauna auf 2192 Meter um dann wieder, o Schreck, auf 2606 Meter aufzusteigen zum Scalettapass (Km 24). Um diesen Pass zu erreichen, mussten wir zum Teil noch kleine Schneefelder durchqueren. Da kam dann wieder die Wiedervereinigung mit den K78-er, die kurz nach der Keschhütte ihren eigenen Panaromatrial absolvieren konnten (und dafür nicht ins Funtaunatal absteigen mussten). Auf dem Scalettapass wieder Arztkontrolle und Verpflegung bevor es dann hinunter ging Richtung Davos.

Und da fängt dann das Rennen wirklich an. Noch nie habe ich den Begriff „Kamikazenmarthon“ in den Mund genommen, aber was da passiert, ist unbeschreiblich. Wie die Wilden stürzen sich die Teilnehmer in die Tiefe. Man hat innert Sekundenbruchteilen zu entscheiden, ob man in den geröldeartigen Bergpfaden den linken Stein oder den rechten nimmt oder doch die in der Mitte oder doch diese 20 cm weiter vorne oder ........? Und mittlerweile überholt man und wird man überholt. Ein Irrenhaus! Und weil man sich auch auf die Mitläufer konzentrieren muss und dabei ab und zu vergisst zu entscheiden, welchen Stein man anvisiert, passierte es schnell, dass ich mich nicht mehr auf meinen Füssen befand aber nur noch den Hang hinunter rollte. Leicht geschürft stand ich auf und lief weiter. Kein Blut, Kopf noch dran und meine Beine bewegen auch noch. Also ideale Bedingungen um den Marathon weiter zu laufen, und so stürzte ich mich wieder ins Downhillgetümmel. Ich bemerkte, das ich nicht der Einzige war, der mit Stürzen gesegnet wurde. Einen Kilometer weiter stürzte ich wieder und die Schürfungen wurden etwas zahlreicher. Aber laufen konnte ich immer noch.

Bis Dürrboden (Km 29) auf 2007 Meter blieb es bei diesen zwei Stürzen und so lief ich schon bald durch das bewaldete Dischmatal Richtung Davos. Zwölf km vor Schluss bleib ich bei einem leichten Anstieg mit meinem Fuss hinter einem Stein hängen und ich fiehl vorüber. Unter der Fusssohle verspürte ich ein starkes Zerren und ich musste stehen bleiben (sehe * das Endresultat). Gleichzeitig verkrampften sich dabei meine rechten Adduktoren. „Ist dass das Ende“, dachte ich mir. Nach einer Minute leichtes Dehnen begann ich wieder zu laufen und siehe da, zum Glück ging es wieder.

Nach Teufi (Km 34; 1704 MüM) ging es weiter hinunter mit ab und zu gemeinen kleinen Steigungen. Schon bald kam ich nah an Davos und hörte den Stadionspeaker schon kommentieren. Ich dachte nur noch wenige Meter vom Ziel entfernt zu sein, als plötzlich die Strecke eine abrupte Linkskurve bekam und im Wald vor Davos wieder anstieg. Noch zwei km musste ich mich durch diesen Wald mit seinen Auf- und Abstiegen quälen, bevor ich auf die Strasse in Davos kam. Da waren es nur noch wenige Meter bis zum Sportstadion, wo ich nach 5 Stunden 3 Minuten und 38 Sekunden ins Ziel einlief. Matthias war nur 10 Minuten vor mir ins Ziel gekommen und erwähnte, dass er auf den letzten 10 km auch Mühe hatte das Tempo derart hoch zu halten, dass man überhaupt noch rannte und nicht laufen musste.

Aber beide waren wir glücklich, ins Ziel angekommen zu sein. Das Stadionambiente war hervorragend und meine leichten Schmerzen konnte ich mit einem (alkoholfreien) Erdinger stillen. Und wer jetzt denkt, dass der Marathon vorbei war, irrt sich. Davos predigt nicht umsonst, dass es einer der härtesten Bergmarathons ist. Als Matthias und ich uns nach getaner Arbeit herrlich duschen wollten, bemerkten wir, dass dies die schnelleren Läufer schon vor uns getan hatten und deshalb den Boiler derart strapaziert hatten, dass nur noch eiskaltes Quell-Wasser kam. Und erst jetzt verstand ich, warum allen in so einem irrwitzigen Tempo ab dem Scalettapass hinuntersausten im Kamikazetempo; sie allen wollten warm duschen (die Warmduscher die).

Bis zum nächsten Marathon!

gruss        gerry

 

Röbi und ich hielten uns fit mit

Singa und einem selbst erfundenem

swiss K42 Thaitraining

Keschhüte (2632 MüM)

Vor dem Start

Und am Finish

*....und das Endresultat (Zerrung aponeuris Plantaris

Dafür aber die Medaille

Begleitet wie immer durch Sonja mit Mutter Josi

Und Piera mit Nicole

(Vom dritten Begleiter Oliver leider kein Bild vorhanden)

Herzlichen Dank!!

 

 

 

 

 

 

Siegesgeschmack spüren. Mit Erdinger gehts besser!

 

 

 

gruss        gerry

 

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